Taschau Hannelies
Mit ihren bei dem Verleger V.O. Stomps gedruckten Gedichten „Verworrene Route“ gehörte Hannelies Taschau (* 1937 in Hamburg, Deutschland) 1959 zu den Entdeckungen auf der Frankfurter Buchmesse. Dann tauchte sie ab: „Man muss aufhören sich essen zu lassen, wenn man am besten schmeckt“, so zitierte sie Nietzsche. Sie lebte einige Jahre in Paris (1962 bis 1964), arbeitete dort für eine Rechtsanwaltskanzlei, studierte und recherchierte für ihren ersten Roman von 1967. Er heißt „Die Taube auf dem Dach“ und wurde mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen (1968) ausgezeichnet.
Als freiberufliche Autorin seit 1967 tätig, folgten Erzählungen und weitere Romane (u.a. „Strip…“, „Landfriede“, „Nahende Ziele“, „Erfinder des Glücks“, „Das Sommerhaus“). Sie schrieb zudem Hörspiele (z.B. für den Westdeutscher Rundfunk, Deutschlandfunk, Radio Bremen, Südfunk Stuttgart, Südwestfunk Baden-Baden), Features, Essays und immer wieder Gedichte, wie zum Beispiel „Gefährdung der Leidenschaft“, „Klarträumer“, „Lässt Jupiter sich berühren“ und „Männerkind“ (2006).
Hannelies Taschau gilt als ebenso scharfsichtige wie sensible Beobachterin gesellschaftlicher Verwerfungen. „Erfinder des Glücks“ (1981), eine Zustandsbeschreibung der Bundesrepublik der 70er Jahre, wurde von der Kritik begrüßt als wahrhaft zeitgenössischer Roman, der bedrängendste seit Langem. „Das Sommerhaus“ (1995) handelt von Trennung und Heilung der Trennung, fand eine gleichermaßen betroffene wie entzückte Leserschaft. Die Verfilmung scheiterte an Taschaus Eigensinn.
Die sinnliche Unmittelbarkeit ihrer Gedichte hat der Freund und Kollege Nicolas Born so beschrieben: „Sie sind weder Abhub noch Endprodukt von Erfahrungen, sie sind diese Erfahrungen selbst“.
Für ihr umfassendes Werk erhielt sie Preise und Auszeichnungen, darunter ein Stipendium des Landes Niedersachsen in Schreyahn 1980 und ein Stipendium des Freistaats Bayern im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg 2000/2001.
Auf Einladung des Sowjetischen Schriftsteller-Verbandes reiste sie 1973 durch die damalige Sowjetunion (Moskau, Eriwan, Tiflis), 1974 und 1977 folgte eine Lese- und Vortragsreise durch Norwegen und im Jahre 1985 machte sie eine solche auch durch Island. Wenn Hannelies Taschau nicht auf langen Reisen ist, vorrangig im Norden, schreibt sie aktuell an einem Roman nach Dokumenten über Leibniz und Kurfürstin Sophie von Hannover.
Hannelies Taschau ist Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland und des Autorenkreises "Die Acht", Lüneburg.
Weitere Informationen über die Autorin finden sich auf der CD-ROM "Ein köstlicher Blick - virtuelle Streifzüge durch die Felder der Kunst. 50 Portraits berühmter Frauen aus den Kunstsparten Literatur, Musik, Bildende Kunst, Tanz, Theater und Film" (Circe-Film 2001).


