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Am Di, 10.11.2020
Ab 08:00
2 Bushaltestellen Bambergs
Bild zu Art Bus Stop (10. - 19.11.2020). Copyright: © 2xGoldstein

Art Bus Stop (10. - 19.11.2020)

NATAŠA KRAMBERGER "Sichtbar auch aus der Distanz"

Ort: Bushaltestellen Bamberg Rodelbahn und Ludwigstraße BhfVon August bis Ende Dezember 2020 machen wir Künstler "Sichtbar auch aus der Distanz". Die Plakataktion auf zwei Wänden - am Bhf Bamberg und an der Bushaltestelle Rodelbahn an der Buger Spitze - gibt einen Blick auf die als Preisträgerinnen und Preisträger eingeladenen 13 Bildenden Künstler, Komponisten und Autoren frei, die im Künstlerhaus zu Gast sind. Begleitet vom Grafikbüro 2xGoldstein aus Karlsruhe wurden die Ideen der 13 umgesetzt und gestaltet. Die Wände werden alle 10 Tage "ihr Gesicht" verändern. Manche Entwürfe korrespondieren miteinander, funktionieren wie Rätsel, manche sind identisch. Hoffentlich lädt jede Gestaltung immer wieder zum Hinschauen ein.

Nataša Kramberger im Gespräch

1. Wie geht es Ihnen, Frau Kramberger? Was haben Sie in den letzten Monaten in Bamberg gemacht, woran arbeiten Sie gerade?/ How are you doing, Miss Kramberger? Please, tell us about the months of your residency in Bamberg. What did you do, are you working on something new at the moment?

DE: Mir geht es sehr gut, vielen Dank. In den letzten Tagen genieße ich die Morgenaussicht aus meinem bezaubernden Fenster auf den majestätischen Villa-Garten, während sich der Fluss unten fließend mit dem Nebel oben vermischt, und die weißliche Sonnenkugel irgendwo hinter dem dunstigen Horizont schwebt, als ob sie nicht wirklich Lust hätte zu scheinen. Ich mag es gerne, das Fenster zu öffnen; gestern kam der Nebel in mein Zimmer rein, ein großes feuchtes Tuch aus Luft, es war alles weiß, alles kalt, aber so erfrischend, mich selbst in eine Decke zu hüllen und viele Stunden lang damit verbringen, Bücher zu lesen, die ich schon lange lesen wollte... Das ist in der Tat sehr inspirierend, sehr beeindruckend. Ich glaube, ich werde mich an diese Vormittage immer erinnern. Für immer werde ich mich daran erinnern, wie dann plötzlich der Nebel verschwunden ist und das Licht azurblau wurde: Die Sonne wurde gelb und klar, und sie scheint freundlich auf die letzten orangefarbenen und goldenen Blätter der Herbstbäume neben dem Wasser. Ich springe aus meinem Bett, mit vielen verrückten neuen Ideen für die Zukunft, für das Leben and natürlich für mein Buch, einen Roman, den ich erst vor ein paar Wochen angefangen habe.

EN: I am doing very fine, thank you. In the last days, I am particularly enjoying the morning view through my charming window towards the majestic villa garden, as the river underneath fluidly mixes with the fog above and the whitish sun-sphere hovers somewhere up-behind the hazy horizon as if it didn’t really feel like shining. I like to open the windows – yesterday the fog actually entered my room, a big humid cloth of air, it was all white, all cold, but so refreshing! – to cover myself with blankets and spend long hours reading books that I wanted to read for ages ... It is very inspirational, very memorable, indeed. I think I will remember these mornings forever. Forever I will remember how then all of the sudden the fog is gone and the light is azure: the sun got yellow and sharp and it kindly shines on the last orange and gold leaves of the autumn trees besides the water. I jump up from by blankets, full of crazy new ideas for the future, for the life, and, of course, for my book, a new novel, that I began writing just a couple of weeks ago.

2. Sie haben bereits drei Romane geschrieben, einer davon, „Nebesa v robidah. Roman v zdobah"(„Der Himmel in einem Brombeerbusch. Roman in Geschichten"), wurde 2010 mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet. Würden Sie Ihr Schreiben als „europäisch" bezeichnen oder greifen Sie oft auf die Themen Ihres Herkunftslandes zurück? / You have written three novels, one of them, „Nebesa v robidah. Roman v zdobah" („Heaven in the blackberry bush: a novel in stories"), won the EU Prize for Literature in 2010. Would you describe your writing as „European" or do you often circle around the topics of your home country?

DE: Ich würde mein Schreiben wahrscheinlich so wie mich selbst beschreiben: eine arme, rastlose Nomadin. Sie (ja, eine sie) kann nicht stillhalten, wie es kein wirklicher kreativer Prozess kann: Kreativität ist ein Nonstop-Transit mit allen möglichen Transportmitteln, mit denen man fahren oder laufen kann, zu einem Ort, von dem man nicht einmal weiß, dass er existiert. Ich würde gerne glauben, dass meine Literatur eine ununterbrochene Kommunikation mit unerwarteten und unbekannten Realitäten ist, wobei man sich natürlich immer auf das verlassen (oder damit arbeiten muss), was man gesehen, erlebt oder sich vorgestellt hat. Vieles von dem, was ich sah, erlebte oder mir vorstellte, hängt mit dem nomadischen Weg durch Europa zusammen; ich fühle mich stark als Europäerin, ja, sehr lokal, sehr unausweichlich und zugleich sehr weitreichend. Das ist mein kleiner solider Rahmen, den ich jeden Tag ein bisschen vergrössern möchte, indem ich ihn genauer ansehe.

EN: I would describe my writing as I think I need to describe myself: a poor restless nomad. She (yes, a she) can’t hold still as I think no real creative process can: creativity is a nonstop transit towards somewhere one doesn’t even know it exists; using all kinds of means of transport one thinks can drive or walk. I would like to believe that my literature is a nonstop communication with unpredicted and unknown realities, whereby one of course always needs to rely on (or work with) what one saw or lived or imagined. Lots of what I saw or lived or imagined is connected with the nomadic path through Europe; I strongly feel as European, yes, very local, very inescapable and very far-reaching at the same time. This is my little solid frame that I try to enlarge a bit every day by giving it a closer look.

3. Frau Kramberger, Sie leben seit 2004 in Berlin, wo Sie neben Ihrer Schriftstellertätigkeit auch als Kulturvermittlerin bekannt sind. Der von Ihnen gegründete Verein „Periskop" ist ins Leben gerufen worden, um die slowenische und deutsche Kultur- und Kunstszene zu vernetzen. Welche Rolle spielt dieser internationale Dialog für Sie? / Miss Kramberger, since 2004 you live in Berlin where besides your writing career you are also known for founding the intercultural society „Periskop" which is aimed to promote and connect the Slovenian and German culture and art scenes. How important is this intercultural dialogue for you?

DE: Oh, der interkulturelle Dialog ist alles, und das passiert die ganze Zeit, auch wenn wir versuchen, mit uns selbst zu reden. Als wir »Periskop« gegründet haben, schrieben wir in das Statut, dass wir Inhalte nach Berlin bringen werden, die ansonsten weniger sichtbar in der Stadt sind. Die Frau in der Stadtverwaltung konnte nicht verstehen, was damit gemeint ist. Sie wollte, dass wir den Satz ändern, weil er ihrer Meinung nach keinen Sinn ergab. Sie sagte, alles ist sichtbar in Berlin, weil in so einer Stadt jeder und alles eine Gelegenheit hat, sich zu zeigen. Sie war sich sicher, alle interessanten Sachen sind bereits präsent in Berlin, von daher meinte sie, es gab kein Bedürfnis nach noch mehr. »Es gibt nichts mehr«, dachte sie. Und das ist genau der Punkt des interkulturellen Dialogs! Es gibt immer »mehr«, es gibt immer »anders«, es gibt »fern« und es gibt »vielfältig«. Nach einer langen Argumentation überzeugten wir sie: Es hat Monate gedauert, bis sie uns erlaubte, den Satz im Statut stehen zu lassen. Seit 7 Jahren bringen wir jetzt die slowenische Kultur und Kunst in die Stadt. Wir organisieren unter anderem das Slowenische Filmfestival Neues Slowenisches Kino im Sputnik-Kino. Das 6. Festival hätte letzte Woche des Novembers stattfinden sollen, aufgrund der Situation mit Covid-19 mussten wir das auf den Frühling des nächsten Jahres verschieben. Wir halten Euch auf dem Laufenden! (www.periskop-berlin.org)

EN: Oh, intercultural dialogue is everything and it happens all the time, even when we try to speak to ourselves! When we were founding “Periskop”, we wrote in our statute that we’ll bring to Berlin the contents that are less visible in the city. The woman at the city office could not understand what it meant; she wanted us to change the sentence as she believed it had no sense. She said, everything is visible in Berlin, because in a city like this everybody and everything has a possibility to show up. She was so sure that all interesting things are already present in Berlin that she did not feel the need for something more. “There is no more,” she thought. And exactly that is the point of intercultural dialogue! There is always “more”, there is always “different”, there is “far”, and there is “diverse”. We convinced the lady after a long argumentation: it took us months before she finally let us keep the sentence in the statute. For 7 years now we’ve been bringing the Slovenian culture and arts to the city. Among others, we organise the Slovenian film festival Neues Slowenisches Kino in Sputnik Kino, the 6th edition was supposed to happen in the last weekend of November this year, but due to the Covid-19 circumstances it had to be postponed to the spring of next year. We’ll keep you informed! (www.periskop-berlin.org) 

4. Außer Ihrer Kulturvermittlung sind Sie auch als Umweltaktivistin tätig. Seit 2009 existiert Ihr Öko-Kunst-Kollektiv „Zelena centrala" in Slowenien. Könnten Sie uns mehr über diese Arbeit erzählen?/ Also you are an environmental activist. In 2009 you established the Eco-Art-Collective „Zelena centrala" in Slovenia. Would you mind telling us more about this project?

DE: Ich war immer an der sozialen Ökologie interessiert und habe viele Bücher von Murray Bookchin, Daniel Chodorkoff oder Vandana Shiva gelesen. Noch bevor ich sie kannte, glaubte ich auf einer intuitiven Ebene, dass Ökologie und das Soziale zwei Seiten einer Medaille sind. Ich glaubte an aktive Bürgerschaft und direktes Handeln und natürlich glaubte ich an Kunst. Auf der Grundlage dieser Überzeugungen entstand 2008 die Öko-Kunst-Idee »Geschichtentaschen« (Bags of Stories) – die Idee, die umgehend größer als nur ich wurde. Es fing alles spontan und enthusiastisch an, nach dem Tod meines Großvaters. Meine Oma wollte alle seine schönen Hemden verbrennen, ich protestierte: Nein! Lass mich sie für Geschichten nutzen, die erzählt werden sollen!

Aus dem Hemd meines Großvaters nähte ich eine Tasche, zu welcher ich eine Erzählung hinzufügte, eine Geschichte über meinen Opa. Ich machte eine, zwei, zehn Taschen und nannte sie »Geschichtentaschen«. Das fühlte sich wie ein Experiment an: Schriftsteller als Straßenkünstler, Schriftsteller als Wächter des mündlichen und kulturellen Erbes, Schriftsteller als Umweltbeauftragte ... Es wurde immer größer und größer. Nicht nur die Hemden meines Großvaters, sondern auch ausgeblichene Vorhänge, alte Hemden und abgenutzte Bettlaken wurden zu Einkaufstaschen, Handtaschen und sogar zu besonderen »Büchertaschen« mit einem »Knopf-Lesezeichen« drin. Jede Tasche hatte ihre eigene Geschichte der Produktion: Jede Geschichte »erklärte«, wo der Stoff herkam. Am Anfang habe ich alles selbst gemacht: Stoffe gesammelt, Taschen genäht, Geschichten geschrieben. Aber einige Monate danach explodierte es zu einer riesigen Mode-Aktion. 

Eine wichtige Rolle von dieser Entwicklung bestand darin, dass die Taschen junge Frauen (meistens Mütter der kleinen Kinder) aus dem slowenischen ländlichen Raum nähten, für die es schwer war, einen kreativen Job in der traditionellen und ländlichen Umgebung zu finden. Das Projekt ermöglichte ihnen eine Art der Harmonie von Arbeit und Kinderbetreuung, was ich am Anfang gar nicht erwartete. Das Projekt dauerte fünf Jahre, gab drei Leuten einen Job und schloss mehr als tausend Menschen ein: Wir organisierten diverse kreative Workshops zum Nähen, Geschichtenerzählen, Recycling etc. für Kinder in Schulen und Kindergärten und für ältere Leute in Altenheimen. Wir waren präsent auf den wichtigsten Literaturfestivals in Slowenien, bei der Frankfurter Buchmesse und auch auf der Öko-Mode-Messe in Mode Palast Wien. 

Mir wurde klar, dass Ökologie und Kunst, an die ich am meisten glaube, gemeinschaftlich sind und als Mittel der gesellschaftlichen Veränderungen eingesetzt werden können. Der gemeinnützige Verein »Green Central« (“Društvo Zelena centrala”) ist aus diesen Erfahrungen hervorgegangen. 

Heute ist “Društvo Zelena centrala” auf einem Grundstück von 4 Hektaren in Slovenske gorice (Nord-Osten von Slowenien) mit Äckern, Obstgärten, Weinbergen und Wäldern tätig. Diese 4 Hektare dienen als Plattform für alle Arten der alternativen und informellen Bildung, als Zentrum für kreative soziale Einbindung, generationsübergreifende Zusammenarbeit und einen ununterbrochenen Wissensaustausch. Wir gestalteten dieses Grundstück als öffentlich zugänglichen, dauerhaften gemeinschaftlichen Raum für die Bevölkerung. Wir halten unseren Fokus auf aktive Erhaltung und Beförderung des lokalen Natur- und Kulturerbes des slowenischen ländlichen Gebiets. Mit Fokus auf biologische Vielfalt, die Landschaftsgärtnerei, Kräuterheilkunde, Micro Farming und traditioneller Hausbau aus Lehm. Unser Hauptziel ist, das lokale Erbe mit den hochwertigen Innovationen, modernen Sachkenntnissen und zeitgenössischen Ansätzen zu verbinden, die sich auf Originalität, Neuschöpfung und Kreativität beziehen. 

EN: I was always very interested in social ecology and read plenty of books of Murray Bookchin, Daniel Chodorkoff or Vandana Shiva. Even before I have known them, I intuitively believed that ecology and social justice are two sides of the same coin; I believed in active citizenship and in direct action, and of course I believed in the arts. It was on the basis of these beliefs that in 2008 I developed the eco-art idea Bags of Stories – the idea that immediately got bigger than I. It all started very spontaneously and enthusiastically after the death of my grandfather. My grandmother wanted to burn his beautiful shirts and I protested: no! Let me use these shirts to tell a story that needs to be told. 

Out of the shirt of my grandfather, I sewed a handbag to which I added a story about the shirt – the story about my grandfather. I made one, two, ten bags and I named them “Bags of Stories”. It all felt like an experiment: writer as a street artist, writer as a guard of oral and cultural heritage, writer as an ecologist ... It was getting bigger and bigger. Not only my grandfather’s shirts anymore, but also faded curtains, threadbare tablecloths, old shirts and worn-out bed linen were turned into shopping bags, handbags, and even into a special “Bag for Books” with a “Buttonhead Bookmark”. Each bag carried its own story about the history of the fabric making up the bag: the story “explained” where the fabric came from. At the beginning, I was doing everything by myself: collecting the fabrics, sewing the bags, writing the stories. But just few months after the idea exploded into a huge collective action. 

The real importance of this development was that all of the bags were sewn by young women (mostly mothers of young children) from Slovenian rural areas for whom it was difficult to find a creative job in the traditional and rural environment. The project enabled them a kind harmonisation of work and childcare – something that I did not actually expect at the beginning. The project lasted for five years, gave job to three persons and included more than thousand people: we organised different creative workshops of sewing, storytelling, recycling ect., for children in schools and kindergartens, for elderly people in retirement homes, we were present at all most important literature festivals in Slovenia, at the Book Fair in Frankfurt or the eco-fashion fair at Mode Palast Wien.

I understood that ecology and arts in which I mostly believe are collective and that they can be a mean of social change. The non-profit association Green central (Društvo Zelena centrala) was born through this experience.

Today, “Društvo Zelena centrala” operates on 4 hectares of property in Slovenske gorice (North-East Slovenia) with fields, orchards, vineyards, and forests. These 4 hectares serve as a platform for all sorts of alternative and informal education, as a centre for creative social integration, inter-generational collaboration and a non-stop knowledge exchange. We shaped the property into a permanent communitarian space of public good. We focus on the active preservation and promotion of the local natural and cultural heritage of Slovene rural areas, especially the biodiversity, landscape architecture, storytelling, herbal medicine, micro farming, traditional house building with clay. Our main mission is to combine the local heritage with the high-quality innovations, modern know-how, and contemporary approaches, based on originality, innovation and creativity. 

5. Sie haben früher literarische Reportagen über Berlin geschrieben. Sind Sie immer noch so viel in Berlin, nachdem Sie den Bauernhof Ihrer Mutter übernommen haben? Hat das Leben auf dem Bauernhof Ihren Schreibprozess oder die Themen, denen Sie sich widmen, verändert? / In Berlin you wrote documentary pieces about the city. After you have taken over the farm that belonged to your mother in Slovenia are you still often in Berlin? Has your life at the farm affected your writing process or themes?

DE: Nun, ich lebe grade fast wie ein Berliner Bär! Im Frühling und Sommer bin ich aktiv auf dem Bauernhof in Slowenien, im Herbst und Winter „sitze ich fest in der Höhle“ in Berlin. Der einzige Unterschied zwischen mir und dem Bären ist, dass ich nicht nur schlafe, sondern auch noch schreibe. Mit anderen Worten, mein Leben entwickelte zwei Jahreszeiten: Landwirtschaftszeit und Schreibzeit. Es ist aber nicht möglich, den Verstand, das Herz oder die Seele in zwei Teile zu trennen. Darum ist es wichtig und ziemlich normal, dass diese beiden Jahreszeiten immer wild intervenieren. Ich nehme grundsätzlich die landwirtschaftlichen Themen in mein Schreiben auf, seitdem ich mich selbst mit Bewirtschaften beschäftige, ist es immer präsent in meinen Werken. Ich würde immer Reportagen aus unterschiedlichen Teilen der Welt mit einem besonderen Blick auf die Bürgerbewegungen oder den Alltag der Menschen am Rande der Gesellschaft machen.

EN: Well, I almost live like a Berlin bear now! Through the spring and summer I am very active at the farm in Slovenia, and in the autumn and winter I “get stuck in the cave” in Berlin. The only difference between me and a bear is that in the cave I do not only sleep, but also write. In other words, my life somehow developed two main seasons, the season of farming and the season of writing. But one cannot split one’s brain or heart or soul in two: it is therefore necessary and quite normal that these two seasons intertwine wildly all the time and on the daily basis. I do, anyhow, include more farming in my writing since I started to farm myself, but these themes were always present in my works: I would always do reportages from different parts of the world, keeping a special eye on grassroots movements or everyday lives on the very borders of society.   

6. Stammen die Fotos auf den Plakatwänden an den Bushaltestellen Rodelbahn und Bahnhof auch von Ihrem Bauernhof? Es sind jeweils ein Foto und eine Zeile Text zu sehen. Was war Ihnen wichtig dabei zu vermitteln? / Were the poster photos at the art bus stops Rodelbahn and Bahnhof taken at your farm in Slovenia? Each one shows a line of text and a photo. What was the main subject you wanted to communicate through this project?

DE: Ja, die Fotos wurden auf dem Bauernhof geschossen, während der Lavendelernte im Juli dieses Jahres. An meinem ersten Tag in Bamberg ist mir aufgefallen, dass sich im öffentlichen Raum der Stadt viele Kräuterplantagen befinden – es stehen Töpfe neben den Häusern oder es gibt riesige grüne Flächen neben den Fußgängerwegen, die mit Katzenminze, Melisse oder Thymian bepflanzt sind. Das machte mich sehr glücklich. Das passiert nicht häufig, dass Kräuter als Teil der Stadtplanung eingesetzt werden, und ich mochte diese „duftenden, blühenden Ornamente“ in Bamberg sehr gerne. Ich wusste dennoch auch, dass ich bald auch „meine Kräuter“ in die Stadt bringen möchte. Auf der anderen Seite, ich ahnte, dass Herbst in Bamberg (so wie überall sonst in Europa) sehr grau, kalt und irgendwie traurig wird, besonders in der Covid-19 Zeit. Aus diesem Grund wollte ich ein bisschen Sonne und Freude bringen, ein bisschen sommerliche Farben in die Stadt. Das ist meine Art Danke zu sagen, dass ich hier sein darf und mir ein Unterschlupf für die Kreativität geboten wurde.

Gleichzeitig wollte ich aber auch einige Ideen des Schreibens und der Landwirtschaft mit Menschen teilen, die näher kommen und auf die kleinen Buchstaben schauen, die durch die Fotos wie ein stiller Gedanke laufen. Das ist nur ein kleiner Hinweis darauf, was ich in meinem Leben mache, wie eine Bereitschaft zur Umarmung, sagend: Hi, das bin ich, freut mich, Dich kennenzulernen.

EN: Yes, the photos were taken at my farm, during this year's lavender harvest in July. On my very first day in Bamberg I noticed that the city’s public spaces are full of herbaceous plantations – there are pots by the houses or vast green areas besides the sidewalks, planted with Catmint (Katzenmize) or Melissa or Thyme, and this made me very happy. It is not often that herbs are used as part of urban planning and I liked these “fragrant flowering ornaments” of Bamberg very much. I therefore knew very soon that I wanted to bring “my herbs” to the city as well. On the other hand, I imagined the autumn in Bamberg (as everywhere else in Europe) can be very gray and cold and sad sometimes, especially during this Covid-19 period, so I wanted to bring some sun and some joy, some hopeful summer colours to the city. It is my way to say thank you for having me here, for giving me a shelter to be creative. 

At the same time, I wanted to share some of my ideas on writing and farming with the people who will come closer and have a look at the very small letters that run through the photos like a silent thought. It’s just a small hint on what I do in my life, like opening my arms to a hug, saying: Hi, it’s me, happy to meet you.

7. Ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden, aber noch nicht ins Deutsche. Die Lesung im Oktober musste leider entfallen. 2021 ist eine Übersetzung ins Deutsche im „Verbrecher Verlag" angekündigt. Wie lässt sich diese Zusammenarbeit an? Wer übersetzt Ihren Roman? / Your novels have been translated into diverse languages, but there is no German translation yet. In 2021 there is a German title of yours scheduled with „Verbrecher Verlag". How is this collaboration faring? Who is translating your novel?

DE: Ich fühle mich sehr geehrt und freue mich riesig drüber, dass die Übersetzung meines letzten Romans „Primerljivi hektarji“ in Deutschland im Verbrecher Verlag im September 2021 erscheint. Das Buch hat immer noch keinen deutschen Titel, der Arbeitstitel lautet „Ackerland“. Es wird von Liza Linde übersetzt, und es ist mir eine große Freude, mit ihr und meiner Herausgeberin Kristine Listau zu arbeiten. In dieser Zusammenarbeit widmet sich jeder meinem Buch, und ich kann es kaum erwarten, das in Bamberg zu präsentieren. Nur wenn ich daran denke, werde ich emotional! Bis bald, ihr Lieben, hoffentlich nicht nur aus der Ferne! 

EN: I am very, very honoured, almost thrilled, that the translation of my latest novel “Primerljivi hektarji” will be published in Germany by Verbrecher Verlag in September 2021. The book still does not have a German title, but the working title is something like “Ackerland”. It is being translated by Liza Linde and it’s my biggest joy to work with her and with my editor Kristine Listau. Everybody in this collaboration is very devoted to my book and I just can’t wait to present it here in Bamberg. Only by thinking of it, I get emotional! See you soon, my dears, I hope, not only from far!

Das Interview führte und übersetzte Maria Svidryk, Volontärin im Künstlerhaus

Fotos: Maria Svidryk © Villa Concordia