Logo Internationales Künstlerhaus Villa Concordia Bamberg

zurück
Am Fr, 28.08.2020
2 Bushaltestellen Bambergs
Bild zu Art Bus Stop (28.08. - 07.09.2020). Copyright: Maria Svidryk © Villa Concordia

Art Bus Stop (28.08. - 07.09.2020)

VITO ZURAJ "Sichtbar auch aus der Distanz"

Ort: Bushaltestellen Bamberg Rodelbahn und Ludwigstraße BhfVon August bis Ende Dezember 2020 machen wir Künstler "Sichtbar auch aus der Distanz". Die Plakataktion auf zwei Wänden - am Bhf Bamberg und an der Bushaltestelle Rodelbahn an der Buger Spitze - gibt einen Blick auf die als Preisträgerinnen und Preisträger eingeladenen 13 Bildenden Künstler, Komponisten und Autoren frei, die in diesem Corona-bedingt spät eingeläuteten Stipendiumsaufenthalt im Künstlerhaus zu Gast sind. Begleitet vom Grafikbüro 2xGoldstein aus Karlsruhe wurden die Ideen der 13 umgesetzt und gestaltet. Die Wände werden alle 10 Tage "ihr Gesicht" verändern. Manche Entwürfe korrespondieren miteinander, funktionieren wie Rätsel, manche sind identisch. Hoffentlich lädt jede Gestaltung immer wieder zum Hinschauen ein.

Komponist Vito Zuraj im Gespräch

1. Wenn Sie Bamberg als Musikgenre beschreiben müssen, welches wäre die Stadt?

Glockenmusik. Bamberg betrachte ich als Stadt der tausend Glocken. Der Schall aus den Kirchtürmen begleitet einen auch im Schlaf.

2. Sie haben in Karlsruhe die Hochschule für Musik im Fach Musikinformatik abgeschlossen. Könnten Sie bitte erzählen, was das für Ihre Musik bedeutet? Schreiben Sie Codes für Ihre Stücke?

Bereits im antiken Griechenland waren Musik und Mathematik eng verbunden, heute ist es nicht anders. Den Rechner benutze ich zu Simulationszwecken, ähnlich wie das auch Architekten tun. Doch es sind nicht die Codes, sondern das Bauchgefühl, das mir in meiner Musik die Richtung vorgibt. 

3. Arbeiten Sie lieber analog mit Instrumenten oder digital mit Computer und Softwares? 

Für mich sind die Musiker die wichtigsten Impulsgeber. Durch ihr Großwerden mit dem Musikinstrument oder Singstimme werden über Jahrzehnte lang Klangideen und Spielweisen geschliffen und diese bereichern mich sehr. Viele meiner Werke sind von den Interpreten angeregt worden, an die mich eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft bindet.

4. Könnten Sie ein bisschen Ihren Villa Arbeitsalltag beschreiben und erzählen, woran Sie aktuell arbeiten? 

Tennis und Radfahren nutze ich täglich als Ausgleich zum Sitzen am Schreibtisch und am Flügel. In meinem Atelier in der Villa Concordia kann ich sehr konzentriert arbeiten. Nachdem ich meine Tagesdosis an Noten geschrieben habe, lasse ich nun die vielfältige fränkische Bierlandschaft auf mich wirken. Momentan arbeite ich am neuen Cellokonzert für die Uraufführung im Konzerthaus Berlin im Frühjahr 2021.

5. Sie entwickeln riesige Partituren, wie setzen Sie das bei den Konzerten um, dass die Musiker von denen spielen können?

Die Partitur, in der die Noten jedes mitwirkenden Instruments dargestellt sind, dient als Wegweiser für den Dirigenten, der so den Überblick über das gesamte Musikwerk behält. Die Musiker spielen aber aus speziell eingerichteten Heften, die nur Noten für das jeweilige Instrument enthalten. Die Formatgröße der Dirigierpartitur ist von der Besetzung und der Ereignisdichte abhängig.

6. An den Bushaltestellen in Bamberg ist so eine riesige Partitur als Plakatwand zu sehen. Am Rand der Partitur findet der aufmerksame Zuschauer Wörter wie „Salzstreuer“, „Gurke“, „Zwiebel“, „Wetzstab“ etc. Können Sie uns den Zusammenhang erklären?

Die Partitur an der Plakatwand heißt "Changeover" und ist für mehr als 100 Mitwirkende komponiert. Die am Rand dargestellten Notensymbole stammen aus meinen Werken "Atalanta's Call" und "Hors d'oeuvre". Das letztere habe ich für den Kölner Zwei-Stern-Koch Daniel Gottschlich komponiert, der zugleich auch Schlagzeuger ist und in meinem Werk als Solist mit dem Orchester spielt: Auf dem Tisch schneidet er rhythmisch das Gemüse und bespielt auch eine Schlagzeugbatterie aus Töpfen, Champagnerkühler und Brotschneidebrett.

7. Ihre Musik wird von großen Orchestern aufgeführt, Sie komponieren auch für die Berliner Philharmoniker. Was haben Sie sich für einen kleineren Rahmen Ihres Vorstellungsabends in der Villa Concordia überlegt?

An meinem Vorstellungsabend am 25. November 2020 wird meine Musik für Gitarre, Akkordeon und Live-Elektronik erklingen. Ich bin sehr dankbar, dass Villa Concordia die Mitwirkung des wunderbaren Teams vom SWR Experimentalstudio Freiburg ermöglicht hat. Das wird für mich ein ganz besonderer Abend sein.

Wer sich für die Veranstaltung am 25. November 2020 interessiert, bitte eine E-Mail mit Anmeldung an kontakt(at)villa-concordia(dot)de. Wir freuen uns auf Sie!

Das Gespräch führte Maria Svidryk, Volontärin im Künstlerhaus

Fotos: Maria Svidryk © Villa Concordia