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Am Fr, 20.11.2020
Ab 08:00
2 Bushaltestellen Bambergs
Art Bus Stop (20. - 30.11.2020)

Art Bus Stop (20. - 30.11.2020)

STEFAN MOSTER "Sichtbar auch aus der Distanz"

Ort: Bushaltestellen Bamberg Rodelbahn und Ludwigstraße Bhf

Von August bis Ende Dezember 2020 machen wir Künstler "Sichtbar auch aus der Distanz". Die Plakataktion auf zwei Wänden - am Bhf Bamberg und an der Bushaltestelle Rodelbahn an der Buger Spitze - gibt einen Blick auf die als Preisträgerinnen und Preisträger eingeladenen 13 Bildenden Künstler, Komponisten und Autoren frei, die im Künstlerhaus zu Gast sind. Begleitet vom Grafikbüro 2xGoldstein aus Karlsruhe wurden die Ideen der 13 umgesetzt und gestaltet. Die Wände werden alle 10 Tage "ihr Gesicht" verändern. Manche Entwürfe korrespondieren miteinander, funktionieren wie Rätsel, manche sind identisch. Hoffentlich lädt jede Gestaltung immer wieder zum Hinschauen ein.

Stefan Moster im Gespräch

1. Herr Moster, Sie sind noch nicht so lange in Bamberg, erst seit Anfang Oktober. Wie geht es Ihnen, haben Sie sich bereits in Bamberg einleben können?

Es geht mir sehr gut hier, das Einleben ist mir nicht schwergefallen, weil die Umgebung schön und interessant ist und sich der Herbst hier von seiner besten Seite zeigt. Außerdem tut es dem Geist gut, wenn man sich mal für längere Zeit in einem anderen Raum bewegt. Und natürlich ist es immer interessant, dem Rhythmus einer Stadt auf die Spur zu kommen.

2. Was bedeutet das Aufenthaltsstipendium in Bamberg für Sie? Ein Raum für neue Projekte, Inspirationen oder die benötigte Ruhe zum Schreiben?

Es bedeutet zunächst eine Anerkennung, für die ich dankbar bin. Keine Kleinigkeit für mich. Ansonsten bietet mir das Stipendium den Anlass und die Legitimation, mehrere Monate am Stück vor allem dem Schreiben zu widmen.

3. Die Welt hat bereits fünf Romane von Ihnen gesehen und gelesen. Der letzte Roman „Alleingang“ ist 2019 erschienen. Woran arbeiten Sie aktuell?

Derzeit bin ich damit beschäftigt, ein Opernlibretto fertigzustellen (Auftragsarbeit des Theaters Münster). Außderem schreibe ich an einem Buch über die Arktis, eine Art erzählendes Sachbuch oder auch erzählerischer Essay. Damit bin ich hier sehr gut vorangekommen, so gut, dass ich die Hoffnung hege, im neuen Jahr sogar mit einem neuen Roman anfangen zu können, der mir schon länger auf den Nägeln brennt.

4. Sie sind außerdem für Ihre Übersetzungen der finnischen Literatur bekannt. Rosa Liksom, Ilkka Remes, Hannu Raittil, Matti Yränä Joensuu und viele andere sind von Ihnen oft übersetzte Autorinnen und Autoren. Warum fiel die Entscheidung auf die finnische Literatur? Was sind die Themen der Finnen? Sehen Sie eine besondere europäische Relevanz?

Europäische Relevanz haben die guten Bücher, die weniger guten nicht. Die Themen unterscheiden sich nicht so wahnsinnig von denen in anderen Ländern und Literaturen, aber es gibt (wie derzeit international üblich) wieder einen Trend, sich mit der Geschichte und der Verfasstheit des eigenen Landes zu beschäftigen.

Meine Entscheidung fiel auf die finnische Literatur, weil ich Finnisch kann und weil es zu Beginn der 90er Jahre, als ich anfing, nur eine schwache Übersetzungstätigkeit aus dem Finnischen ins Deutsche gab.

5. Was ist der größte Unterschied für Sie zwischen den beiden Tätigkeiten (Autor und Übersetzer)? Greift der Autor Stefan Moster in den Übersetzungsprozess ein?

Die Unterschiede sind insgesamt größer als man glauben möchte. Der größte besteht darin, dass man beim Übersetzen die Stimme eines anderen oder einer anderen suchen und beim eigenen Schreiben die eigene Stimme finden muss.

Der Autor greift beim Übersetzer insofern ein, als er sein Sprachgefühl mitbringt. Umgekehrt greift der Übersetzer in die Arbeit des Autors ein, weil er den Umgang mit unterschiedlichen Stimmen gewohnt ist.

6. Ihre Plakate an den Bushaltestellen Rodelbahn und Bahnhof zeigen zwei Textmotive. Sind es Stellen aus einem bestimmten Buch? Die Textpassagen erwähnen Meer, Wanderzirkus, die große weite Welt, aber auch einen sicheren Hafen. Was wollten Sie mit diesen Begriffen übermitteln?

Die Zitate stammen aus meinem Roman „Alleingang“. Ich will damit Sätze anbieten, die man sich in die Tasche stecken und bei Gelegenheit hervorholen und betrachten kann, als Möglichkeit, die eigenen Assoziationen anregen zu lassen. Ein bisschen habe ich bei der Auswahl auch an die Lage der Menschen in der Pandemie gedacht, die ein Gefühl der Verlassenheit ebenso begünstigen kann wie die Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit.

7. Ihre Lesung im Künstlerhaus findet, falls die Situation es erlaubt, am 17.12. statt. Woraus werden Sie an dem Abend lesen?

Der Termin kurz vor Weihnachten hat mich auf die Idee gebracht, einige der Weihnachtsgeschichten zu lesen, die ich in den letzten Jahren geschrieben habe. Ich hatte noch nie Gelegenheit, daraus zu lesen und darum umso mehr Lust, es hier zu tun.

Wer sich für die Veranstaltung am 17. Dezember 2020  interessiert, bitte eine E-Mail mit Anmeldung an kontakt(at)villa-concordia(dot)de. Wir freuen uns auf Sie!

Das Gespräch führte Maria Svidryk, Volontärin im Künstlerhaus

Fotos: Maria Svidryk © Villa Concordia