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Am Di, 18.08.2020
2 Bushaltestellen Bambergs
Bild zu Art Bus Stop (18. - 27.08.2020). Copyright: Maria Svidryk © Villa Concordia

Art Bus Stop (18. - 27.08.2020)

ATAÇ SEZER "Sichtbar auch aus der Distanz"

Ort: Bushaltestellen Bamberg Rodelbahn und Ludwigstraße BhfVon August bis Ende Dezember 2020 machen wir Künstler "Sichtbar auch aus der Distanz". Die Plakataktion auf zwei Wänden - am Bhf Bamberg und an der Bushaltestelle Rodelbahn an der Buger Spitze - gibt einen Blick auf die als Preisträgerinnen und Preisträger eingeladenen 13 Bildenden Künstler, Komponisten und Autoren frei, die in diesem Corona-bedingt spät eingeläuteten Stipendiumsaufenthalt im Künstlerhaus zu Gast sind. Begleitet vom Grafikbüro 2xGoldstein aus Karlsruhe wurden die Ideen der 13 umgesetzt und gestaltet. Die Wände werden alle 10 Tage "ihr Gesicht" verändern. Manche Entwürfe korrespondieren miteinander, funktionieren wie Rätsel, manche sind identisch. Hoffentlich lädt jede Gestaltung immer wieder zum Hinschauen ein.

Komponist Ataç Sezer im Gespräch

1. Vor kurzem erst sind Sie im Künstlerhaus eingezogen. Können Sie noch Ihren ersten Tag in Bamberg beschreiben?

Die überwältigende und inspirierende Energie des Hauses hat mich sehr beeindruckt und überrascht. Ich war sehr glücklich darüber, dass die Türen der Villa Concordia für uns trotz Pandemie Beschränkungen geöffnet wurden. Über die Möglichkeiten, neue Künstler und diese schöne historische Stadt näher kennenzulernen freue ich mich besonders.

2. Haben Sie bereits Lieblingsorte? Welche sind das?

Der romanische Bamberger Dom, mit sehr vielen Entdeckungen dort und Bamberger Rosengarten mit der schönen Farben-Vielfalt.

3. Sie studierten zuerst Klavier und Musikwissenschaften und daneben Ney, die traditionelle Flöte der osmanischen Hofmusik in der Türkei, anschließend zogen Sie für die Kompositionsstudien nach Berlin und München. Welche Rolle spielen die beiden Länder für Ihre kompositorische Arbeit?

Es hat mir die Möglichkeit gegeben, beide großen Musikwelten zu verstehen (eine ist modal und andere ist tonal). Während meines Studiums in der Türkei habe ich alle Arten von Modalmusik (indische, persische, arabische Musik, das unter dem Dachbegriff "24 unterschiedliche Tonsysteme der Maqam Musik" gesammelt wurde) durch Ney Spiel kennengelernt und dieses Wissen auf Europäisches Tonsystem auf wissenschaftlicher Basis übergetragen.

4. Ihren Werken wird oft eine außerordentliche Sinnlichkeit zugeschrieben, diese scheint durch Kontraste und Kombinationen verschiedener Instrumente und Klangbilder erzeugt zu werden. Wie würden Sie selbst Ihre Musik beschreiben?

Meine Musik ist ein Augenblick oder eine Welt für sich, während ich meine Musik schreibe, erlebe ich bereits einen Dialog zwischen mir und dem Publikum, da ich eine wahre Geschichte erzähle, darüber, was ich erlebt habe. Genauso ist es ein Dialog zwischen Natur- und Physik Gesetzen, mit denen ich nicht streite, sondern kommuniziere.

5. Wo suchen Sie nach Inspirationen?

Astrophysik, Biologie, Genetik und Mystik

6. Die im Rahmen der Plakataktion "Art Bus Stop" mit dem 2xGoldstein entworfenen Plakatwände sind bereits an zwei Bushaltestellen in Bamberg zum Hingucken bereit. "Relativity of simultaneity" ist da zu sehen, so heißt Ihr in 2013 komponiertes Stück, das in einer besonderen Form konzipiert ist, wo die Partitur aus zwei unabhängig voneinander notierten Streichtrios besteht. Würden Sie uns mehr darüber erzählen und warum genau dieser Titel?

Die Besonderheit in der Komposition "relativity of simultaneity" ist, dass es im Grunde zwei autonome Stücke sind, die auch getrennt aufgeführt werden können. Wenn die zwei Trios jedoch in einem Raum zusammengespielt werden, entsteh ein neues Werk. Ähnlich dem Bau einer DNA ergänzen sich die Werke, konkurrieren nicht miteinander. Das eine Trio wurde vorzugsweise in der Dur-betonten Klangfarbe komponiert, das andere Trio mehr in der Moll-Klangfarbe. Durch die kleinsten, mikrotonalen Bewegungen entstehen eine Homogenität und meine eigene Klangfarbe. Die Inspiration für dieses Werk war für mich die "Relativität der Gleichzeitigkeit". Der Moment, in dem man nur eine Entscheidung treffen kann, wird aufgehoben. Zwei Entscheidungen, zwei Variationen nehmen Platz in der Gleichzeitigkeit des Seins.

7. Was werden wir bei Ihrem Vorstellungsabend im Künstlerhaus hören?

Am 12. November möchte ich dem Bamberger Publikum etwas näher kommen, und während der 50 Minuten etwas über mich selbst und über wichtige Bestandteile meiner Musik, wie z.B. neue Entwicklung der Tonalität, Entstehung neuer Rhythmusformen, Kreierung der Farbe usw. erzählen, und als zweites Teil das Publikum zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Konzert mit meinen Werken einladen.

Wer sich für die Veranstaltung am 12. November 2020 interessiert, bitte eine E-Mail mit Anmeldung an kontakt(at)villa-concordia(dot)de. Wir freuen uns auf Sie!

Das Gespräch führte Maria Svidryk, Volontärin im Künstlerhaus

Fotos: Maria Svidryk © Villa Concordia